Im Alltag wird der Aufreger von gestern gerne vom Aufreger von heute abgelöst. Doch seit sich Jens Spahn mit seinem Rücktritt als CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender wieder in Erinnerung gerufen hat, lohnt sich der Blick zurück auf seine Zeit als Bundesgesundheitsminister. In seine Amtszeit fiel die Hochphase der Corona-Pandemie – und mit ihr eine der teuersten Beschaffungsaktionen der jüngeren deutschen Geschichte: der milliardenschwere Einkauf von Schutzmasken. Die Nachwirkungen dieser Entscheidungen spüren die gesetzlichen Krankenkassen und ihre Versicherten bis heute, in Form von aufgezehrten Rücklagen und laufenden Zusatzkosten.
Was also ist von den sogenannten Maskendeals übrig geblieben, wie hoch ist der tatsächliche Schaden – und welcher Teil davon wurde am Ende den Beitragszahlern der GKV aufgebürdet? Ein Überblick über die wichtigsten Zahlen und Fakten.
Stand: Juli 2026, basierend auf dem Bericht der Sonderermittlerin Margaretha Sudhof und einem Bericht des Bundesrechnungshofs vom Juli 2025.
Umfang der Beschaffung
- Bis 2024 kaufte das Bundesgesundheitsministerium (unter Jens Spahn) 5,8 Milliarden Schutzmasken für rund 5,9 Milliarden Euro.
- Verteilt wurden davon nur 1,7–2 Milliarden Masken im Inland.
- Mehr als die Hälfte der Beschaffungsmenge musste vernichtet werden oder wird noch vernichtet (rund 2,9 Milliarden Masken) bzw. lagerte (Stand 2024) noch zu rund 800 Millionen Stück ungenutzt.
Der Schaden
- 517 Millionen Euro direkter Schaden laut Bundesrechnungshof aus dem Open-House-Verfahren.
- 2,3 Milliarden Euro Risiko aus rund 100 noch laufenden Klagen von Maskenhändlern – mit Zinsen und Prozesskosten sind bis zu 3,5 Milliarden Euro möglich.
- Laufende Folgekosten: 45 Millionen Euro budgetiert für 2025, weitere 67,3 Millionen Euro erwartet für 2026/27.
- In der Gesamtschau – inklusive überteuerter Einzelverträge, verlorener Gerichtsprozesse und der separat kritisierten Corona-Krankenhausfinanzierung (3,1 Mrd. Euro) – wird Spahn eine Verschwendung von bis zu 6,6 Milliarden Euro vorgeworfen.
Was blieb bei den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hängen?
Das ist eine andere Rechnung als der reine Maskenschaden. Die Maskenbeschaffung selbst lief über den Bundeshaushalt (Einzelplan 15) und wurde über den Gesundheitsfonds nur abgewickelt, nicht von den Kassen finanziert. Belastet wurden die Kassen aber an anderer Stelle massiv:
- Für die Corona-Folgekosten insgesamt (u. a. Impfungen, Tests, Krankenhausausgleich) einigten sich Spahn und Finanzminister Scholz 2020/21 auf ein Finanztableau: Von einem zusätzlichen Bedarf von bis zu 16,6 Milliarden Euro sollten nur 5 Milliarden Euro aus Steuermitteln kommen – der Rest, also mehr als zwei Drittel, wurde den Kassen bzw. dem Gesundheitsfonds aufgebürdet.
- Spahn griff zusätzlich in die Rücklagen der Kassen: Der Gesundheitsfonds sollte bis 2024 um mehr als 5,2 Milliarden Euro belastet werden – seine Reserven sanken dadurch um über die Hälfte.
- Die Bürgertestungen kosteten den Bund zwar über 8 Milliarden Euro direkt, die Abrechnung lief aber über die Kassenärztlichen Vereinigungen und den Gesundheitsfonds – mit bis heute ungeklärten Rückforderungen in dreistelliger Millionenhöhe.
Kurz zusammengefasst
Der öffentlich meistzitierte Maskenschaden (517 Mio. Euro plus 2,3 Mrd. Euro Risiko, in Summe bis zu 6,6 Mrd. Euro über alle Vorwürfe hinweg) lastet direkt auf dem Bundeshaushalt – also den Steuerzahlern. Bei den gesetzlichen Krankenkassen blieb eine eigenständige Rechnung hängen: mehrere Milliarden Euro an verlagerten Corona-Gesamtkosten plus die Plünderung der Fondsreserven um gut 5,2 Milliarden Euro – Geld der Beitragszahler, nicht der Steuerzahler.
Dass Beitragsgelder der gesetzlichen Krankenversicherung auf solch unerwarteten Wegen versickern, ist dabei kein Sonderfall der Corona-Zeit. Auch abseits von Pandemie und Maskenbergen zeigt sich immer wieder, wie unbekümmert mit dem Geld der Versicherten umgegangen wird – etwa dort, wo es in fragwürdigen Immobilienfonds landet, statt den Versicherten zugutezukommen. Ein Beispiel dafür lesen Sie in unserem Artikel GKV-Beitragsgelder in riskanten Immobilienfonds verloren.
Quellen
- Ultimative Liste: Diese Milliarden könnten wir uns Spahn (FragDenStaat)
- Jens Spahn: Maskendeals und versenkte Steuermilliarden (ZDF)
- Weiter Folgekosten in Millionenhöhe nach Maskenkäufen (Ärzteblatt)
- Bundesrechnungshof zu Spahns Masken: „Massive Überbeschaffung“ (ZDF)
- Maskenaffäre: Sudhof-Bericht – „Drama in Milliardenhöhe“ (Handelsblatt)
- Mehr als drei Milliarden Euro fehlen: Spahn bittet Beitragszahler zur Kasse (Tagesspiegel)
- Spahn leert Gesundheitsfonds bis 2024 um mehr als die Hälfte (Tagesspiegel)